Über die Alpkultur

100 Tage Sommerfrische

Die Dreistufenwirtschaft prägt seit Jahrhunderten die Landwirtschaft im Großen Walsertal und folgt einem natürlichen Rhythmus. Über die Sommermonate wandern die Tiere in drei Stufen vom Bauernhof im Tal über den Maisäß bis hinauf auf die Alpe – und Anfang Herbst wieder zurück ins Tal.

Sobald die Wiesen im Tal abgegrast sind, ziehen die Tiere auf den Maisäß, eine Zwischenstation auf halber Höhe, die ab Mai genutzt wird. Hier finden sie die ersten saftigen Gräser und frischen Kräuter des Jahres, bevor sie Mitte Juni – je nach Schneelage und Wetter – weiter auf die Hochalpen getrieben werden.

Die Alpen mit klingenden Namen wie Klesenza, Oberüberluth, Laguz und Matona bieten den Tieren reichhaltige Weiden, deren kraftvolle Kräuter und Blumen sich in den Produkten wie dem Walserstolz-Käse und der Alpbutter widerspiegeln.

Für die Kühe ist dies "Sommerfrische", für die Älplerinnen und Älpler eine arbeitsreiche Zeit. Auf den 47 Alpen des Großen Walsertals, darunter 20 Sennalpen, auf denen die Milch direkt vor Ort verarbeitet wird, bleibt kein Tag ohne Arbeit – nur sonntags gönnt man sich eine kleine Pause.
Nach etwa 100 Tagen, rund um den Schulanfang im September, kehren Tiere und Menschen ins Tal zurück. Und im nächsten Jahr beginnt der Kreislauf aufs Neue.